Der Artikel ist so gut, ...

Der Artikel ist so gut, man muss ihn eigentlich fast komplett zitieren: """ … Überspitzt formuliert: Wissenschaftlicher Fortschritt vollzieht sich nur durch Bücherlesen und Bücherschreiben.

… Vom ambitionierten Lehrstuhlinhaber werden neuerdings Fähigkeiten verlangt, die wissenschaftsfremd sind. Die Schuld daran trägt das Allheilmittel Wettbewerb, das seit kurzem auch im Hochschulbereich Wunder wirken soll. … Wettstreit mag der Qualität förderlich sein, nicht aber der staatlich beförderte Wettbewerb, der falsche Maßstäbe setzt. Was er ankurbelt, sind nicht Forschungsergebnisse, sondern Forschungsprojekte, die vor allem groß und international sein sollen. Um sie genehmigt zu bekommen, muss der Initiator in endlos langen Meetings sitzen und Ordner füllende Anträge schreiben.

Ein anderer dornenreicher Weg ist die Gewinnung von privaten Sponsoren, was besondere, aber wiederum keine wissenschaftlichen Talente verlangt. Der Höhepunkt an Ehre und bürokratischem Aufwand ist die Verleihung des Ordens Exzellenz durch das Wissenschaftsministerium. Er belohnt nicht wissenschaftliche Exzellenz, er belohnt nicht, Bücher zu lesen, sondern er belohnt, einen guten Antrag zu stellen. … Bisher kam das Neue meist von den jungen Wissenschaftlern. Derzeit arbeiten sie aber unter Bedingungen, die keine großen Würfe erlauben. Für den Nachwuchs stehen nur noch befristete Stellen zur Verfügung, entweder eine halbe Stelle, auf der die Arbeit eines ganzen Mitarbeiters verrichtet wird, oder im besten Fall eine Juniorprofessur. Die Befristungen liegen im Durchschnitt bei zwei Jahren; danach muss ein Antrag auf Verlängerung gestellt werden … In einer solchen auf Kurzfristigkeit und kleinteilige Wissenschaft angelegten Situation findet der Nachwuchs kaum Zeit für das Eigentliche, die Dissertation oder Habilitation, also für richtige Bücher. … Kurzum, wir leben in einer Zeit, die von den Bedingungen her Gelehrtheit und vielleicht auch Genialität eher verhindert. Wenn der Professor die Rolle des Managers spielt und der Nachwuchswissenschaftler als Zeitarbeiter vegetiert, dann können nur noch Buchbesprechungen gesichtet werden, was ja zum Mitreden reicht. Bücher ganz zu lesen, bloß herumzuschmökern, was ja oft zu neuen Ideen führt, sind aussterbende Beschäftigungen. """

Fazit: Wissenschaftlicher Fortschritt ist eine aussterbende Beschäftigung!

spiegel.de

Klaus P. Hansen: Für Gelehrte ist Uni feindliches Gebiet

Für Denker sind Unis heute eine feindliche Umgebung. An einer modernen Hochschule ist es heute nahezu unmöglich, sich vertiefendes Wissen anzueignen. Aus Professoren werden Manager und Bürokraten. Gelehrtheit und Genialität sind so zum Aussterben verurteilt.

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