Die Meinung der Profis

Ein gewisser Herr L. von der F-Partei in Deutschland ist der Meinung das Schüler nicht für Klimaschutz demonstrieren sollten, denn sie würden die Zusammenhänge nicht verstehen. Das sei eine Sache für Profis:
Nun, zufällig haben Profis zu diesem Thema einen Artikel im Physik-Journal (03/2019) der deutschen physikalischen Gesellschaft (DPG) veröffentlicht:
Der Artikel ist leider nicht öffentlich und nur für Mitglieder der DPG abrufbar. Aber ich finde die Ergebnisse sollten der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden und daher zitiere ich hier mal ausführlich.


Erstmal zur Erinnerung die Ziele der deutschen Energiewende (Bundesumweltministerium: Klimaschutz in Zahlen):
  • Reduktion der Treibhausgase bei Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit: bis 2020 um 40%, bis 2030 um 55%, bis 2040 um 70% und bis 2050 um 80 bis 95% (bezogen auf 1990).
  • Reduktion des Primärenergieverbrauchs um 50% bis 2050 (bezogen auf 2008)
  • Reduktion des Energieverbrauchs im Transportbereich um 40% bis 2050 (bezogen auf 2010)
  • Reduktion des Elektrizitätsverbrauchs um 25% bis 2050 (bezogen auf 2010)
  • Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch: 2020: 35%, 2030: 50%, 2040: 65%, 2050: 80% 
  • Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch: 2020: 18%, 2030: 30%, 2040: 45%, 2050: 60%
  • Stufenweise Abschaltung aller Kernkraftwerke bis 2023 
Hier nun die Zitate aus dem genannten Artikel:
Aller Voraussicht nach werden die Nahziele für 2020 - also eine Reduktion der Treibhausgase um 40 Prozent - deutlich verfehlt.
Nur ein substanzieller Umbau des Gesamtsystems lässt es machbar erscheinen, die Klimaziele ohne Abstriche bei der Versorgungssicherheit zu erfüllen. 
So bleiben Windkraft und Photovoltaik als prinzipiell beliebig ausbaubare erneuerbare Energien. In der Tat zeigen die Rechnungen, dass der massive Ausbau dieser beiden Quellen es ermöglichen kann, die Emissionen um 85% zu reduzieren.
Beispiel Verkehr: Beim Individualverkehr vor allem in Ballungsräumen werden wir zügig auf Elektro- bzw. Hybridfahrzeuge umsteigen müssen... Statt jährlich 60000 neu zugelassenen Elektroautos bräuchten wir 1 bis 1,5 Millionen.
Wenn wir sofort starten, kostet der Umbau für das Ziel einer 85-prozentigen Reduktion etwa 2 Billionen Euro... Auf das Jahr umgerechnet ... sind es 60 Milliarden Euro bzw. zwei Prozent des Bruttosozialprodukts.
Dies ist eine sehr interessante Zahl, entspricht sie doch etwa dem, was wir derzeit für unser Militär ausgeben. Würden wir also die Bundeswehr komplett abschaffen, wäre die Energiewende ohne weitere Kosten für die Gesellschaft machbar. Klima oder Krieg, das ist hier die Frage!
Reichen die derzeitigen Maßnahmen aus? Die Antwort ist eindeutig nein. 
Über die sinnvollste Abhilfe sind sich derzeit die meisten Fachleute [Profis!] einig: ein einheitlicher Preis auf alle CO2-Emissionen. ... Das ist nicht wirklich neu. CO2-Mindestpreise wurden bereits vor einiger Zeit und mit Erfolg unter anderem in Großbritannien und Schweden eingeführt. Nach Einführung ... sank die Stromerzeugung aus Kohle innerhalb von fünf Jahren von 150TWh auf 30TWh. Das vereinige Königreich avancierte dadurch von Platz 20 auf Platz 7 unter den 33 reichsten Nationen bezüglich C02-Emissionen bei der Stromerzeugung. 
Unsere Untersuchungen zeigen eindeutig, dass wir den Umbau unseres Energiesystems deutlich beschleunigen müssen... Dabei vergeuden wir wertvolle Zeit ... Zeit, die wir eigentlich nicht mehr haben.
Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Schüler haben also absolut recht mit ihren Demos für mehr Klimaschutz. Ich denke Herr L. sollte in Zukunft das Politikerspielen vielleicht besser Profis überlassen. Jeder Schüler kennt die Zusammenhänge besser als er und seine F-Partei. 
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Andreas Maier
Data Alchemist

My interests include machine learning, software development, physics and mathematics

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